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„No quality, no trade“ – Side-Event der PTB trifft den Nerv

The panelists

Keine Qualität, kein Handel – das ist sehr drastisch ausgedrückt. Trotzdem spiegelt es die Realität im globalen Handel wider. Und mit diesem Thema haben wir den Nerv der „Aid-for-Trade Glo­bal Review“ getroffen: Allein sechs weitere Side-Events behandelten die Relevanz von Qualitätsinfrastruktur-Aspekten für Handel und wirtschaftliche Entwicklung – mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten.

Denn um Qualität nachweisen und damit den vielver­sprechenden Eintritt in den Weltmarkthandel erreichen zu können, müssen die entsprechenden QI-Dienst­leistungen vorhanden sein. Dienstleistungen, die nationale Institutionen der Qualitätsinfrastruktur anbieten.

Doch die Verfügbarkeit von Dienstleistungen alleine reicht nicht aus: Der Informatio­nsaustausch über Qualitätsanforderungen von Exportmärkten und national verfügbare qualitäts­sichernde Dienstleistungen spielen ebenfalls eine große Rolle, damit das nationale System der Qualitätsinfra­struktur sein volles Potential entfalten kann.

Dieser Herausforderung widmete sich das von PTB und dem Handelsreferat des Bundesministeri­ums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung organisierte Side-Event beim „Aid-for-Trade Global Review“ 2019: „No quality, no trade“. Der Fokus der Pa­neldiskussion lag auf der Rolle von Wirtschaftsfördereinrichtungen im Informationsaustausch: Wie werden Informationen zu Qualitätsanforderungen von Exportmärkten und na­tional angebotenen qualitätssichernden Dienstleistungen vermittelt?

Unsere Arbeit setzt genau bei dieser Problematik an. Gemeinsam mit dem Inter­national Trade Center haben wir das zweitägige Seminar Export Quality Management (EQM) entwickelt: Dort werden BSOs geschult, damit sie ihre Mitglieder – die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) – durch das kom­plexe System von Marktzugangsvorrausetzungen und qualitätssichernden Dienstleistungen leiten können. Dabei sind die Wissensvermittlung und -weitergabe von strategischer Bedeutung: Sie befähigt BSOs dazu, KMUs über Qualitätsanforderungen zu informieren. Dies soll den KMUs in einem nachgelagerten Schritt die Möglichkeit geben, sich in globale Handelsströme einzugliedern. Das Seminar wurde bereits mehr­fach in Zusammenarbeit beider Institutionen in Projekten der PTB eingesetzt. Aus diesem Grund freuen wir uns, dass Khemraj Ramful vom ITC am Panel teilnehmen konnte, um seine Erfahrungen beizusteuern.

Schnell waren sich die Panelist*innen am 4.7.2019 in Genf einig: Qualitätsanforderungen internatio­naler Märkte nehmen immer weiter zu. Gerade für KMUs aus Entwicklungs- und Schwellenländern ist es daher oft eine Herausforderung zu wissen, welche Normen und technische Vorschriften anzuwen­den sind und wie man die Konformität der Produkte mit ihnen nachweist. Diese Informationslücke muss geschlossen werden, sonst hindert sie KMUs daran, im Export tätig zu werden. Qualitätssi­chernde Dienstleistungen spielen dabei die entscheidende Rolle – die Verfügbarkeit alleine reicht aber nicht aus. Ansätze wie die EQM-Seminare können hier eine tragende Rolle einnehmen, so dass BSOs ihrer Verantwortung als wirtschaftsfördernde Einrichtungen voll und ganz nachkommen können. Als Fazit kristallisierte sich heraus, dass Qualitätsinfrastruktur mehr als nur Mess-, Prüf- oder Zertifizierdienst­leistungen zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung beitragen kann. Vielmehr schafft eine effizi­ente nationale Qualitätsinfrastruktur den Rahmen für dauerhaften, sicheren und fairen Handel.

© Daniel Böhme

 

Wir bedanken uns bei den Panelist*innen Catherine Masinde (World Bank Group), Daniela Zehentner-Capell (BMZ), Maha Saleh (The Engineering Export Council of Egypt), Peggy Schulz (Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft) und Khemraj Ramful (ITC), dem Handelsreferat des BMZ sowie dem WTO-Or­ganisationsteam für ihren Beitrag zu dem erfolgreichen Event.

 

© Daniel Böhme

 

Hintergrund:

Vom 3. bis zum 5. Juli 2019 drehte sich im WTO-Hauptsitz in Genf alles darum, wie inklusive und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden können. Die diesjährige „Aid-for-Trade Glo­bal Review“ der WTO stellt eine Frage in den Fokus: Wie können Handel und wirtschaftliche Diversifizierung Wirtschaftssys­teme belastbarer machen? Dabei spielt eine effiziente Qualitätsinfrastruktur eine wesentliche Rolle, da sie Marktzugänge ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Produzenten stärkt. Dementsprechend präsent fand sich das Thema Qualitätsinfrastruktur im Programm des Global Re­view wieder.